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Tages-Archive: 22. September 2009

Klostergarten

Heute war ich zunächst in Seligenstadt, der Stadt am Main mit der Einhardbasilika und dem wunderbaren Kräutergarten. Über die Basilika und über Einhard, den Biografen Karls des Großen habe ich bereits im MainZauber Blog berichtet. Nun aber zum Kräutergarten.

Das ehemalige Benediktinerkloster in Seligenstadt zählt mit der die Abtei umschließenden, rund 700m langen Klostermauer zu den wenigen nahezu komplett erhaltenen Klosteranlagen in Hessen. Der Klostergarten oder auch Abteigarten genannt beherbergt unter anderem einen Apothekergarten mit Gewürzkräutern und Apothekerpflanzen, einen Conventgarten mit Gemüsekulturen, (sowie einen Mühlgarten mit Tieren, den ich wohl nicht entdeckt habe.) Doch ich war dort, aber es gab keine Tiere zu sehn.

Blick aus dem Klostergarten auf die Basilika

Als ich heute morgen bei strahlendem Sonnenschein in Frankfurt losfuhr, war ich mir nicht sicher, ob der Kräutergarten um diese Jahreszeit überhaupt noch reizvoll sein würde. Als dann an der Autobahnausfahrt Seligenstadt auch noch Nebel aufkam, hab ich mich echt gefragt, warum ich nur das schöne Frankfurt verlassen hatte. Kurz und gut: nach Besichtigung der Einhardbasilika riss der Himmel auf und beim  Eintritt in den Klostergarten blieb mir der Mund offenstehn: wow – das ist ein Klostergarten vom Feinsten!

grundriss

Das ist ein Grundriss bzw. eine Übersicht, in dem sich leider die Zweige eines Baumes gespiegelt haben. Ich hab ihn etwas aufbereitet, jetzt kann man es doch ganz gut erkennen. Der schwarze Pfeil zeigt den Haupteingang. Links liegen die Abteigebäude und außerhalb die Basilika. Am oberen Ende sieht man dann den großen und ausgesprochen schönen Kräuter- und Obstgarten (auch Rosen, Dahlien und andere Pflanzen).

balustrade

Diese Sandsteinbalustrade mit ihren Putten trennt den oberen Teil des Kräutergartens (Apothergarten) vom unteren Teil (Konventgarten) und erinnert mich sehr an die barocke Anlage unseres Bolongaropalastes in Höchst. Nur dass dort seltsame orientalische Gestalten die Balustrade schmücken. Während im Apothekergarten sinngemäß im Wesentlichen Heilkräuter angebaut werden, ist der Konventgarten ein Ost-, Gemüse und Blumengarten.

krautgarten

Der Garten ist ausgesprochen gepflegt. Hier sieht man, dass nicht nur die Pflanzen alle Namensschildchen tragen sondern dass sie außerdem immer so zusammengepflanzt sind, dass sie einer bestimmten medizinischen Indikation entsprechen.

cassia

Diese prächtig blühende Pflanze in Gelb hat mich sofort interessiert, deshalb habe ich auch gleich das Schild nochmal separat fotografiert. Inzwischen habe ich gegoogelt: Cassia angustifolia oder Indische Senna wird als Abführmittel eingesetzt. Sieht man der lieblichen Blüte nicht unbedingt an. Immerhin > der Prophet Mohammed soll gesagt haben: „Haltet euch an Sennesblätter und Kümmel, denn beide heilen jede Krankheit, ausgenommen den Tod.“ Die Pflanze gehört zu den Johannisbrotbaumgewächsen.

kermesbeereKermesbeere oder Phytolacca (schwach giftig)

Die Kermesbeere kenne ich vor allem aus der Homöopathie, wo sie bei Grippe (feuchtes Wetter), Rheuma und anderen Erkrankungen eingesetzt wird. Sie wird/wurde aber auch zum Färben verwendet (kermes = Rot, persisch).

collinsektenIn diesen Gärten blühte noch enorm viel und
entsprechend viele Insekten waren noch immer unterwegs.

ubrunnerHochstammrose Ulrich Brunner, schöne Farbe, guter Duft

Ulrich Brunner” ist nach einem Schweizer Züchter benannt und gehört zu den alten Rosen (1882), gilt als robuste Rose, remontierend mit starkem Duft (die steht schon auf meinem Wunschzettel!)

An den Klostermauern wuchsen übrigens noch jede Menge als Spalierobst gezogene Apfelsorten – fast rechteckig, was schon etwas merkwürdig aussieht. Ach ja – Äpfel! In den Beeten gab es überall reich tragende Apfelbäumchen, vielleicht 60-80 cm hoch aber mit dicken Stamm – irgendwie Bonsaibäumchen, die sich dadurch aber perfekt in die Kräuterbeete integrierten. Und dann – zum Main hin – eine ganze lange Wand voll mit Dahlien – der Wahnsinn!

dahlien

Das soll genügen. Ich habe noch mehr Fotos gemacht und vor allem – “Blut geleckt”. Dieser Klostergarten wird mich in Zukunft noch öfter sehen. Eine halbe Stunde Autofahrt ist so schlimm wirklich nicht. Und dort kann ich mir für den eigenen Garten jede Menge Anregungen holen.

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