Kräutergärten
. . . wecken immer mein Interesse und so war ich auch ganz begeistert, als ich im Botanischen Garten (siehe Beiträge gestern und vorgestern HIER) den neuen Arzneikräutergarten entdeckte. Kräuter passen nun wirklich besser hier hinein und der normale Mainzauberblog hat auch heute schon seinen Beitrag bekommen
Der neue Kräutergarten liegt – jedenfalls so wie ich gelaufen bin – am Ende des Rundganges durch den Botanischen Garten. Wenn ihr mal auf den Plan seht, dann etwa dort, wo rechts unten das Wort Bienenhaus steht.
Dort wo ich ankam, sah ich zunächst das heute allgegenwärtige Insektenhotel und daneben eine gleichgroße Schautafel mit Erklärungen. Am Insektenhotel fand mal besonders originell, dass dort auch kleine leere Schneckenhäuser eingebaut waren.
Hier schien mal die Sonne, die weißen Schneckenhäuser reflektieren die Strahlen,
aber ihr könnt sie sicher trotzdem entdecken.
Als nächstes fiel mein Blick auf ein langgestrecktes Beet, an dem stand: Arzneimittelpflanzen der Römerzeit. Das waren natürlich sehr viele Kräuter, die wir auch heute noch kennen, da hat sich ja nicht viel geändert. Am Beet mit den Pflanzen gegen Atemwegserkrankungen sah ich eine junge Frau, die hingebungsvoll die Köniskerzen studierte, Fotos aus allen nur denkbaren Blickwinkeln und schriftliche Aufzeichnungen machte. Ich schätze, das war eine Studentin des Botanischen Instituts.
Hildegard von Bingen erwähnt die Königskerze unter wullena als Heilmittel für ein „traurig Herz“. Die Stängel wurden früher in Harz oder Pech getaucht und als langbrennende Fackel genutzt. In der Phytotherapie werden die auch Wollblumen genannten Blüten . . . als schleimlösendes Mittel . . . bei Erkältungen verwandt.
(Quelle: Wikipedia in Auszügen)
Mir fiel prompt wieder ein, dass ich im letzten Jahr um diese Zeit im großen Kräutergarten der Abtei in Seligenstadt war und mir eigentlich vorgenommen hatte, mal zur Hauptblütezeit dorthin zurück zu kommen. Nun stand ich erneut in einem Kräutergarten, dessen beste Zeit im Jahr schon wieder vorbei war. Aber so ist das, wenn man einen eigenen Garten hat, um den man sich kümmern muss. Im neuen Arzneigarten findet man auch einen schönen steinernen Wassertrog, der noch aus der Zeit des Herrn Senckenberg stammt bzw. aus dessen erstem Arzeimittelgarten in der Nähe des Eschenheimer Turmes.
Auf den Namen “Senckenberg” trifft man in Frankfurt allenthalben, nicht zuletzt wegen des weltweit bekannten Senckenberg (Naturkunde) Museums.
Johann Christian Senckenberg (* 28. Februar 1707 in Frankfurt am Main; † 15. November 1772 ebenda) war ein deutscher Arzt und Stifter. >>> Am 18. August 1763 errichtete er die Dr. Senckenbergische Stiftung, deren Ziel es war, das Frankfurter Medizinalwesen, die Krankenversorgung und die Ausbildung der Ärzte zu verbessern. Auf dem im Jahre 1766 erworbenen ersten Stiftungsgelände östlich des Eschenheimer Tores entstand in den folgenden Jahren ein medizinisches Institut mit Bibliothek, Laboratorium chymicum, Gewächshäusern und einem Theatrum anatomicum, sowie ein Bürgerhospital. Die Dr. Senckenbergische Anatomie, die sich aus diesem Theatrum anatomicum entwickelte, ist damit wesentlich älter als die im Jahre 1914 gegründete Johann Wolfgang Goethe-Universität. Quelle: Wikipedia
Auch wenn ich mich jetzt verzettele, aber hier kommt noch ein interessanter Hinweis, wie es früher mal um die medizinische Versorgung bestellt war: “Es (das Bürgerhospital) war das erste Krankenhaus in Frankfurt am Main, das auch ortsansässige Bürger behandelte. Der ursprüngliche Gebäudekomplex wurde zwischen 1771 und 1779 südöstlich des Eschenheimer Tors durch die Dr. Senckenbergische Stiftung errichtet. Zuvor hatte es in Frankfurt zwar bereits das erstmals 1267 urkundlich erwähnte und gleichfalls noch heute bestehende Hospital zum Heiligen Geist gegeben, das allerdings nur für die Beherbergung von Fremden, Pilgern, Wandergesellen, Dienstboten und Mittellosen offen stand. Kranke Frankfurter Bürger mussten sich hingegen zuhause ärztlich versorgen und pflegen lassen.” (Quelle: Wikipedia)
Echter Steinklee / Melilotus officinalis (Sweet Clover)
Steinklee habe ich schonmal gelesen, weiß auch, wofür er in der Naturheilkunde angewendet wird (Veneninsuffiziens), aber wie er aussieht, wusste ich bisher nicht. Wieder was dazu gelernt. Sein wichtigster Wirkstoff ist das Cumarin. Deshalb duftet Heu, das von Steinkleewiesen stammt auch imer ein bisschen nach Waldmeister.
Und nun als Letztes noch, dann ist’s genug – die Artischocke, jedenfalls die Blüten derselben.
Artischocke / Cynara cardunculus
Die Artischocke – der wissenschaftliche Name sagt es schon, gehört zu den Karden, also Distelgewächsen. Die fleischigen unteren Blütenblätter und der Blütenboden sind essbar und gelten als Delikatesse. Ich persönlich kann damit wenig anfangen, ich finde dass die Dinger eigentlich nach nichts schmecken. Dafür sind die blauen Blüten wie viele Distelblüten sehr hübsch. Die Artischocke ist aber auch eine alte Arzneipflanze: ihr wird eine appetitanregende, verdauungsfördernde und cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Der in ihnen enthaltene Bitterstoff Cynarin regt den Stoffwechsel von Leber und Galle an.
Nach soviel wissenschaftlichem Input gibt es jetzt nur noch was zum Angucken und erholen:
Küken einer Stockente
Im Wasser waren sie zwischen den Seerosenblättern kaum zu erkennen.









Danke für diesen Award, aber bitte keine weiteren.




@Ocean: Ich selbst habe mich lange im Internet mit der Recherche zu Senckenberg rumgetrieben. Jedes Kind kennt bei uns das Senckenbergmuseum, aber mehr wusste ich über diesen Mann auch nicht.
Hallo liebe Elke
wieder ein spannender und ausführlicher Post von dir – den werd ich mir aber noch ein zweites Mal mit mehr Zeit vornehmen, wegen den ganzen Infos. Da kann man einiges dazulernen, und die Botanik interessiert mich schon sehr. “Für ein traurig Herz” ..das gefällt mir
Und das Küken ist einfach nur total niedlich
Danke für die Mühe .. und ein wunderschönes Wochenende für dich


Ocean
Irgendwie ist die Kräuterwelt immer an mir vorbei gezogen. Deswegen finde ich deine Post´s
immer so interessant. LG Inge