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Wildkräuter

Claytonia

Claytonia perfoliata – schonmal gehört? Vielleicht die amerikanischen oder kanadischen Gartenblogger, also mir war dieses Unkraut, pardon, Wildkraut bisher fremd. Sein deutscher Name ist “Gewöhnliches Tellerkraut” und es wächst am Carport hinten im Garten (also dort, wo bei uns fast alle Unkräuter wachsen). Das Erscheinungsbild der Pflanze ist ziemlich einmalig, aber ich musste im Internet doch erstmal schwer danach suchen. Die Art ist ursprünglich im Westen Nordamerikas beheimat und ist in Mitteleuropa ein Neophyt. Sie wird erst seit wenigen Jahren in Mitteleuropa angebaut. Sie ist winterhart und wird darum gelegentlich als Wintergemüse verwendet (Winterportulak). Mich hat sie spontan an Kresse erinnert. Jetzt wo ich weiß, dass es essbar ist, werde ich es auch mal probieren.

Claytonia perforata

Macro der winzigen Claytoniablüte, die durch das Blatt hindurch wächst
(daher der lat. Ausdruck perforata)

So – hab’s probiert, die Blätter samt Blüten. Schmeckt ganz interessant, aber nicht besonders intensiv. Ein bisschen nussig, ansonsten “grün”. Ich kann’s mir gut in Quark auf dem Frühstücksbrötchen vorstellen. (Wenn hier morgen nichts zu lesen ist, war’s vielleicht doch nicht essbar *g*.) Die Blätter enthalten Vitamin C, Magnesium, Kalzium und Eisen und wurden in Nordamerika sowohl von Indianern als auch Goldwäschern und Bergleuten gegessen. Deshalb heißt es im englischen Sprachraum auch Miner’s lettuce, Spring Beauty, oder Indian lettuce.

“Solang sie das Zeug nicht mir in den Napf gibt – obwohl, Gras mag ich ab und an  ja auch.”

Wir haben heute so richtiges Aprilwetter, aber jetzt am Nachmittag kommt vermehrt die Sonne durch. Ich habe nicht viel Lust auf Gartenbuddelei, aber ich habe meine Zucchini ins Beet gepflanzt. Ich denke, das geht jetzt, sie schon sehr kräftig. Die Minibalkongurken sind jedoch neulich beim Kälteeinbruch im April eingegangen. Vielleicht kaufe ich mir beim Gärtner demnächst ein Pflänzchen.  Die selbst gezogenen Tomaten kommen demnächst auch raus.

Schluss mit Lustig oder der Rauswurf aus dem Schlaraffenland . . .

. . . heißt es wohl spätestens morgen. Wieviel Futter noch in der Glocke ist, weiß ich nicht, aber der Energiekuchen ist so gut wie alle. Aber nun gibt es wirklich genug Insekten und was die Vögelchen noch so benötigen, das dürfte kein Problem werden. Viel Jungmeisen sind schon unterwegs, unsere allerdings noch nicht.  Da zwitschert es noch gewaltig aus dem Nistkasten, wenn die Alten mal wieder auf sich warten lassen.

Die Steinlaterne am Teichrand ist für mich einfach immer wieder ein Hingucker.

Die Ästhetik von Unkraut

Nun bin ich also doch wieder im Garten gelandet, weil sich am Zaun zum Nachbarn an einer Stelle seit einigen Tagen Gartenschaumkraut (Cardamine hirsuta) wie blöd ausbreitet. Nicht nur dort, aber dort besonders. Und da die Nachbarn nun genau dort auf ihrer Seite alles neu angelegt haben  – letztes Jahr habe ich noch über deren Unkraut gezürnt -  wollte ich doch vermeiden, dass es rüberwächst oder sich die Samen ausbreiten. Und natürlich musste ich mein Makro auch an diesem Kräutchen ausprobieren – eine absolute Herausforderung, denn die Blütendolde mit den weißen Einzelblüten ist gerade mal ca. 2mm im Durchmesser. Mehr dazu bei Wikipedia, dort heißt es “Behaartes Schaumkraut“.  Dort gibt es auch andere Fotos, falls ihr das Unkraut nicht kennt, denn mein Foto wird euch vermutlich nicht weiterhelfen ;-)

Cardamine hirsuta – Gartenschaumkraut

Wesentlich größer, auffälliger und hübscher blüht übrigens das blaue Wiesenschaumkraut (Cardamine Pratensis), das 2006 zur Blume des Jahres gekürt wurde. Hier mal ein Link zur NABU Seite: .

Nachdem ich schonmal draußen war, habe ich mir gleich noch den Teichrand vorgenommen. Denn auch hier sprießen die Ahörnchen und auch noch jede Menge Fichtenkeimlinge nebst anderem Unkraut. Aber ich habe auch die ersten Spitzen einiger Funkien entdeckt und noch diverse Blätter von Zwiebelblumen, die noch kommen müssen. Der Frühling bleibt also spannend! Und – ich sag’s euch – im Garten war die Müdigkeit dann auch ganz schnell verflogen. Immerhin hat es nicht geregnet und auch die Temperaturen waren noch einigermaßen angenehm.

Frische Kräuter

Jetzt im Frühling grünt und sprießt es an allen Ecken und Enden. Gerne wird mit den ersten frischen Kräutern gekocht und dort, wo der Naturheilkunde der Vorzug gegeben wird, ist auch die “Frühjahrskur” in aller Munde. Ich war gerade auf einem interessanten Blog, der sich unter anderem auch den Kräutern widmet, bin dort aber auf einen mir persönlich nicht ganz einleuchtenden “Selbstversuch” gestoßen.  Heiner probierte die frischen  Blätter folgender drei Pflanzen als Tee aus: Frauenmantel, Lungenkraut und Bärlauch. Gefährlich ist das nicht, aber ich finde es auch nicht sehr sinnvoll.

{ Hier mal mein Kommentar dazu: Du kommst aber auch auf Ideen *lach* – Bärlauchtee! Ich denke, dass die Verwendung als Brühe beim Bärlauch doch tatsächlich sehr viel näher liegt. Bärlauch ist ein typisches Frühlingskraut mit einer leicht antibiotischen Wirkung, er wirkt entzündungshemmend, harntreibend und insgesamt tonisierend. Also bestens für eine “Frühjahrskur” geeignet, nur nicht unbedingt als Tee. Ich esse ihn sehr gerne kleingeschnitten in Quark auf’s Brot. – Der Frauenmantel – Alchemilla vulgaris – wird zwar in der Kräuterheilkunde als Tee verwendet, aber man nimmt nicht die Blätter sondern die Blüten dazu. Dann kann der Tee tatsächlich außer gegen Frauenleiden auch gegen Entzündungen z.B. zum Gurgeln eingesetzt werden. – Lungenkrautblätter wirken auf Grund ihrer Inhaltsstoffe tatsächlich gegen Erkrankungen der Bronchialorgane. Es ist ähnlich wie bei Heilwässern: Kräuter, die Arzneimittel ähnliche Wirkstoffe enthalten (ohne in erster Linie toxische Stoffe zu enthalten) kann man zwar auch als Tee mal trinken, aber man sollte sich damit eher zurück halten. Da viele dieser Kräuter sowieso Bitterstoffe enthalten, ist die Gefahr des übermäßigen Konsums aber eher unwahrscheinlich. Lieben Gruß – Elke }

Ich denke, man muss gerade beim Kräuterwissen das Rad nicht neu erfinden wollen. Kräuter wurden schon von den ersten Menschen im Selbstversuch erprobt und bis heute so oft getestet und beschrieben, dass man zumindest die hervorstechendsten Merkmale und Verwendungszwecke überall nachlesen kann. Klar – wer das möchte, darf auch gerne Bärlauch als Tee trinken – nur wozu?

Mich hat das nun auf die Idee gebracht, mal die Schlechtwettertage dafür zu nutzen, euch die Kräuter der Frankfurter “Grie Soß” vorzustellen und vielleicht auch anschließend ein paar bewährte Teekräuter.

In die “Frankfurter Grüne Soße“   gehören traditionell 7-9 Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Ab und an wird auch Dill oder Löwenzahn hinzu gegeben.

Petroselinun hortense var. crispum

Fangen wir mal mit der Petersilie an (davon steht ein Töpfchen am Küchenfenster): Petersilie kennt so ziemlich jeder. Grundsätzlich unterscheidet man die Blatt- von der Wurzelpetersilie und bei der Blattpetersilie die krause Form von der glattblättrigen.  Die krause Petersilie wurde als Kulturpetersilie gezüchtet, weil man die glattblättrige Form in der Natur mit der giftigen Hundspetersilie verwechseln kann. Petersilie wird fast ausschließlich im Rohzustand verwendet, der nicht sonderlich stark ausgeprägte Geschmack der enthaltenen ätherischen Ölen verschwindet beim Trocknen oder Kochen fast völlig. Der im ätherischen Öl enthaltene Inhaltsstoff  Apiol bewirkt  in höheren Dosen die Kontraktion von Gebärmutter, Darm und Blase. Deshalb war Petersilie früher zeitweise als Abtreibungskraut verschrieen. Tatsächlich sollten Frauen in der Schwangerschaft vorsichtig mit dem Genuß von zuviel Petersilie sein.  Sebastian Kneipp verordnete Petersilie als wirksames Kraut gegen Wasseransammlungen im Körper.
Außerdem können in der Petersilie enthaltenen Furanocumarine in der Sonne Hautausschläge hervorrufen. Wir merken also schon bei einem Allerweltskraut wie der Küchenpetersilie, dass Kräuter nicht einfach nur Pflanzen zum Kochen und Dekorieren sind.
Ein anderer Bestandteil ist das Myristicin,  das in der Leber in ein Amphetamin umgewandelt wird. In höherer Dosis sorgt es für eine gewisse Gelassenheit, für ein entspanntes Gefühl. Das Myristicin spielt auch in Colagetränken eine zentrale Rolle und es ist auch für den guten Ruf deutscher Wurstwaren von Bedeutung (hab ich gelesen Quelle: dradio).

Vor Jahren habe ich mal in einem algerischen Bistro einen Petersiliensalat gegessen. Da war ich erst sehr skeptisch, aber er schmeckte sehr gut und bestand außer aus den Petersilienblättern noch aus Radieschen und Minze war wohl auch dabei. Bekannt ist auch das/der Tabbouleh, ein Salat aus Burghul oder Bulghur (vorgekochte und gebrochene Weizenkörner) mit Zwiebel, Zitronensaft und verschiedenem Gemüse, sowie großen Mengen von Petersilienblättern und etwas frischer Minze.

Klostergarten

Heute war ich zunächst in Seligenstadt, der Stadt am Main mit der Einhardbasilika und dem wunderbaren Kräutergarten. Über die Basilika und über Einhard, den Biografen Karls des Großen habe ich bereits im MainZauber Blog berichtet. Nun aber zum Kräutergarten.

Das ehemalige Benediktinerkloster in Seligenstadt zählt mit der die Abtei umschließenden, rund 700m langen Klostermauer zu den wenigen nahezu komplett erhaltenen Klosteranlagen in Hessen. Der Klostergarten oder auch Abteigarten genannt beherbergt unter anderem einen Apothekergarten mit Gewürzkräutern und Apothekerpflanzen, einen Conventgarten mit Gemüsekulturen, (sowie einen Mühlgarten mit Tieren, den ich wohl nicht entdeckt habe.) Doch ich war dort, aber es gab keine Tiere zu sehn.

Blick aus dem Klostergarten auf die Basilika

Als ich heute morgen bei strahlendem Sonnenschein in Frankfurt losfuhr, war ich mir nicht sicher, ob der Kräutergarten um diese Jahreszeit überhaupt noch reizvoll sein würde. Als dann an der Autobahnausfahrt Seligenstadt auch noch Nebel aufkam, hab ich mich echt gefragt, warum ich nur das schöne Frankfurt verlassen hatte. Kurz und gut: nach Besichtigung der Einhardbasilika riss der Himmel auf und beim  Eintritt in den Klostergarten blieb mir der Mund offenstehn: wow – das ist ein Klostergarten vom Feinsten!

grundriss

Das ist ein Grundriss bzw. eine Übersicht, in dem sich leider die Zweige eines Baumes gespiegelt haben. Ich hab ihn etwas aufbereitet, jetzt kann man es doch ganz gut erkennen. Der schwarze Pfeil zeigt den Haupteingang. Links liegen die Abteigebäude und außerhalb die Basilika. Am oberen Ende sieht man dann den großen und ausgesprochen schönen Kräuter- und Obstgarten (auch Rosen, Dahlien und andere Pflanzen).

balustrade

Diese Sandsteinbalustrade mit ihren Putten trennt den oberen Teil des Kräutergartens (Apothergarten) vom unteren Teil (Konventgarten) und erinnert mich sehr an die barocke Anlage unseres Bolongaropalastes in Höchst. Nur dass dort seltsame orientalische Gestalten die Balustrade schmücken. Während im Apothekergarten sinngemäß im Wesentlichen Heilkräuter angebaut werden, ist der Konventgarten ein Ost-, Gemüse und Blumengarten.

krautgarten

Der Garten ist ausgesprochen gepflegt. Hier sieht man, dass nicht nur die Pflanzen alle Namensschildchen tragen sondern dass sie außerdem immer so zusammengepflanzt sind, dass sie einer bestimmten medizinischen Indikation entsprechen.

cassia

Diese prächtig blühende Pflanze in Gelb hat mich sofort interessiert, deshalb habe ich auch gleich das Schild nochmal separat fotografiert. Inzwischen habe ich gegoogelt: Cassia angustifolia oder Indische Senna wird als Abführmittel eingesetzt. Sieht man der lieblichen Blüte nicht unbedingt an. Immerhin > der Prophet Mohammed soll gesagt haben: „Haltet euch an Sennesblätter und Kümmel, denn beide heilen jede Krankheit, ausgenommen den Tod.“ Die Pflanze gehört zu den Johannisbrotbaumgewächsen.

kermesbeereKermesbeere oder Phytolacca (schwach giftig)

Die Kermesbeere kenne ich vor allem aus der Homöopathie, wo sie bei Grippe (feuchtes Wetter), Rheuma und anderen Erkrankungen eingesetzt wird. Sie wird/wurde aber auch zum Färben verwendet (kermes = Rot, persisch).

collinsektenIn diesen Gärten blühte noch enorm viel und
entsprechend viele Insekten waren noch immer unterwegs.

ubrunnerHochstammrose Ulrich Brunner, schöne Farbe, guter Duft

Ulrich Brunner” ist nach einem Schweizer Züchter benannt und gehört zu den alten Rosen (1882), gilt als robuste Rose, remontierend mit starkem Duft (die steht schon auf meinem Wunschzettel!)

An den Klostermauern wuchsen übrigens noch jede Menge als Spalierobst gezogene Apfelsorten – fast rechteckig, was schon etwas merkwürdig aussieht. Ach ja – Äpfel! In den Beeten gab es überall reich tragende Apfelbäumchen, vielleicht 60-80 cm hoch aber mit dicken Stamm – irgendwie Bonsaibäumchen, die sich dadurch aber perfekt in die Kräuterbeete integrierten. Und dann – zum Main hin – eine ganze lange Wand voll mit Dahlien – der Wahnsinn!

dahlien

Das soll genügen. Ich habe noch mehr Fotos gemacht und vor allem – “Blut geleckt”. Dieser Klostergarten wird mich in Zukunft noch öfter sehen. Eine halbe Stunde Autofahrt ist so schlimm wirklich nicht. Und dort kann ich mir für den eigenen Garten jede Menge Anregungen holen.

Hornsauerklee

Hornsauerklee (Oxalis corniculata) ist ein fürchterliches Unkraut, obwohl es ja reizend aussieht. Die rötlichbraunen Blättchen mit den gelben Blüten sehen richtig nett aus. Aber sobald man ihn sich eingefangen hat, ist er wie Fußpilz – man kriegt ihn kaum noch los. Heute habe ich mich mal wieder drüber hergemacht, weil er inzwischen mein Halbschattenbeet schon fast überwuchert hatte und das ist zuviel des Guten. Und leider habe ich mich zu spät darüber hergemacht, weil er schon Samen trägt und die springen bei Berührung auf und davon wie das berüchtigte Springkraut persönlich. Und  obwohl der Rindenmulch bisher dazu geführt hat, dass sich alles andere an Unkraut recht leicht entfernen ließ, hat es der Klee schon wieder geschafft seine langen dünnen Wurzeln in die Tiefe zu treiben.  – Spannend finde ich es, was sich so alles sonst noch aus alter Zeit wieder einfindet: Margeriten, Nelken, Löwenmäulchen und sogar Rosentriebe.  Das müssen aber Wildtriebe sein. Ich habe sie runtergeschnitten aber belassen und werde mir angucken, was im nächsten Jahr draus wird. Die wilden Erdbeeren dürfen in begrenztem Umfang auch bleiben und die Zaunwinde wird vermutlich bleiben, egal was ich anstelle um sie loszuwerden.

oxalis

Heute war ein durch und durch trüber aber schrecklich schwüler Tag – unschön und schweißtreibend. Neben dem Unkrautentfernen habe ich mich mal wieder über den alten Kompostplatz hergemacht, den ich seit den Wespenstichen vor sechs Wochen ja doch ziemlich gemieden habe. Aber vom zweiten Kompostsilo habe ich mir dann doch genug Kompost holen können, um meinen neuen Sträuchern eine gute Starthilfe zu geben. Wir haben noch einen vierten Betonring links von den anderen dazu gestellt, den ich dann auch noch füllen werde. Der Symmetrie halber kommt vielleicht  noch ein weiterer Hibiskus hinein.

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