Ameisen
Ich fühle mich verfolgt. Als ich eben durch den Garten ging – zunächst ohne Kamera, was man nie machen sollte – stieg unmittelbar neben mir plötzlich eine große Blaupfeillibelle mit diesem typischen kratzenden Flügelgeräusch auf. Ich bin richtig erschrocken. Leider, leider ließ sie sich nicht mehr nieder sondern entschwand über die Straße in einen Nachbargarten. Ich sehe die letzten Tage immer öfter Libellen an völlig unmöglichen Orten sitzen, während ich immer nur an unserem Teich auf sie eingestellt bin. Der Blaupfeil saß an einer Rose.
Hochsommer ist . . . wenn der Hibiskus blüht. So empfinde ich das immer. Heute habe ich die erste Hibiskusblüte im Garten entdeckt. Also – dann muss es jetzt doch was werden mit dem Sommer!
Dieser Hibiskus sitzt inzwischen eigentlich viel zu eng zwischen einem Bambus und einem Schneeballstrauch.
Aber er ist übervoll mit Blütenknospen. Es scheint ihn nicht zu stören.
Auch der panaschierte Hartriegel blüht – eine ganz unscheinbare Blüte, erst in der Vergrößerung sieht man,
dass sie im Grunde doch sehr hübsch ist.
Apropos verfolgt – kurz nach dem Schreck mit dem Blaupfeil fing es plötzlich an den Füßen an zu kribbeln. Ich steckte barfuß in durchlöcherten Gartenclogs – und bei genauerem Hinsehen liefen mir Dutzende von Ameisen über die Füße und schon am Bein hoch. Mein Blumenbeet betrachtend stand ich in einem der in diesem Jahr zahllosen Ameisennester im Rasen. Ich habe einen Satz zurück gemacht, die Clogs von mir geschleudert und erstmal versucht alle Ameisen abzuschütteln. An sich wollte ich sowieso nicht mehr unbesockt in den Garten, der Gras- und Baummilben wegen. Aber immer denkt man doch nicht dran und heute ist es warm genug, um mal wieder auf Socken zu verzichten. So im Nachhinein denke ich mir, wäre es ja vielleicht eine gute Antirheumakur gewesen. Ameisensäure soll wahre Wunder wirken *gg*.
Ich bin, wie man an den Bildern unschwer erkennt, dann doch nochmal mit Kamera in den Garten, konnte aber am Teich nur noch eine Kleinlibelle entdecken, eine aus der Familie der Azurjungfern.
Große Pechlibelle (Ischnura elegans) – danke, liebe Edith!
Obwohl der Himmel heute wieder vorwiegend bedeckt und es erneut ziemlich stürmisch ist, sind doch viele Insekten unterwegs. Ich habe auch vom Schreibtisch aus inzwischen einige farbige Schmetterlinge durch den Garten fliegen sehen, nicht nur die allgegenwärtigen Kohlweißlinge. Aber selbst wenn sie sich irgendwo niederlassen, ist fotografieren an Pflanzen praktisch wegen des Windes nicht möglich. Es sei denn, man nimmt mit den vielen Hummel, Bienen und Schwebfliegen im Sommerblumenbeet vorlieb.
Wiesenhummel (Bombus pratorum) am Steppensalbei
Auffällig ist, dass die vielen Ameisennester im Rasen oft an kreisförmigen Ausbreitungsstellen der Gemeinen Braunelle zu finden sind. Dieses “Unkraut” hat sich dieses Jahr bei uns fast so schnell ausgebreitet wie der Klee. Ich habe mir vorgenommen diese Stellen im Herbst auszustechen und dort Krokusse und Mininarzissen zu pflanzen. Beim sich flächig ausbreitenden Klee kann ich das vergessen.
Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die Kleine Braunelle (Brunella vulgaris) auch zu den Heilkräutern gezählt werden kann. Sie besitzt unzählige pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe wie: Alkaloide, Ätherische Öle, Bitterstoffe, Cumarine, Cyanidine, Flavonoide, Gerbstoffe, Gerbsäure, Hyperosid, Kaempferol, Beta-Sitosterol und Stigmasterol. Bei Halsentzündungen kann man aus ihrem Kraut einen Tee bereiten und damit gurgeln. Ein Tee daraus soll auch gegen Bluthochdruck und gegen Magenkrämpfe helfen. Warum wusste ich das letzte Woche noch nicht? Die östrogenartigen Bestandteile sollen auch bei Frauenbeschwerden helfen (eventuell auch den Einsprung fördern – also Vorsicht!) Laborstudien haben gezeigt, dass das Polysaccharid Prunellin sogar gegen Herpes- und HIV Viren wirksam sein kann. Tja – bevor ich das Kraut im Rasen ausmerze – wird mir eh nicht gelingen – werde ich mal ein paar Blätter sammeln – das wird mühsam, weil die sehr klein sind – und für Tee trocknen. Gegen Halsentzündung kann man es ja mal ausprobieren.
Ach nee, es fängt mal wieder an zu regnen – na danke auch!
Ein Projekt von Barbara
Bei Barbaras Projekt geht es im Juni um Insekten. Bevor ich aus dem Archiv noch ein paar Bilder von Libellen hervorhole, muss ich euch erzählen, was ich heute im Garten entdeckt habe. Ameisen haben ein gutes Dutzend Nester dort. Die sehen aus wie Minimaulwurfshügel – unglaublich! Ich habe immer viele Ameisen im Garten und im letzten Jahr haben sie mir tatsächlich mit ihren Nestern auch Stauden kaputt gemacht, aber im Rasen? Und dann so viele? Da ich nicht vorhanden alle Nester unversehrt zu lassen – ein bisschen Rasen will ich gerne auch für mich behalten – habe ich mal eins aufgedeckt und ein Video gedreht.
Boah – nee – kribbelt es euch da auch überall?
Nesthügel – eins von den kleineren Nestern, etwa handtellergroß
Und hier noch eine kleine Galerie aller Insekten, die ich in diesem Jahr bereits fotografiert habe
(reingeschmuggelthabe ich drei ältere: Distelfalter, Azurjungferpaarung und den Bläuling).
Bitte das erste Bildchen anklicken, dann geht es in größer weiter.
Zu all dem Ameisengekrabbel schwärmten heute am Okrifteler Mainufer noch die Blattläuse – das war fürchterlich. Ich war dauernd mit den Händen am Wedeln. So etwas ähnliches habe ich mal im Taunus erlebt. Seitdem weiß ich, dass es spezielle weiße Fichtenblattläuse gibt.
Mit den Ameisennestern ist es in diesem Jahr wirklich ätzend. Heute habe ich beim Rasenmähen zunächst wieder eins im Rasen selbst entdeckt und eben – ich dachte ich seh nicht recht – ist eins der Carexgräser fast schwarz von schwärmenden Ameisen.
Das Bild ist nicht das beste, denn die Viecher flogen mir schon um die Ohren, wenn ich mich dem Nest nur näherte.
An sich sind Ameisen nichts Schlimmes, aber in dieser Anzahl muss ich sie nicht haben. Nun hoffe ich nur, dass sie nicht den Weg ins Haus finden. Und wenn die diversen Pflanzen kaputt gehen würden – nicht nur das Carex ist befallen – dann würde mich das auch sehr ärgern. Ein anderes Gras habe ich ja bereits eingebüßt.
Der Grünspecht – den ich heute schon öfter gehört habe – deckt die Hälfte seines täglichen Nahrungsbedarfs mit circa 3000 bis 5000 Ameisen. Also dann komm mal rüber, Herr Specht, hier gibt es Nahrung im Überfluss. Die Ameise ist schon ein interessantes Insekt mit ihren Staaten und ihrer Organsisation, ein bisschen der Biene ähnlich und gehört auch wie Wespen und Bienen zu den Hautflüglern (Hymenoptera).
Hm – es wird finster! Ich sollte meine Wäsche reinholen.
Mal ein paar Bilder aus dem Garten, der mir als “Gesamtkunstwerk” im Moment eigentlich nicht so recht gefällt. Aber wenn ich mich dann so umgucke, gibt es ja doch viele nette Kleinigkeiten, die das Herz erfreuen.
Hinten am Carport einfach unschlagbar die Töpfe mit den tiefroten Geranien:
Hier sieht man nur einen Topf, aber es sind zwei – rechts und links neben einer Clematis
*
Das Schattenbeet ist von der Zusammensetzung der ruhigste Bereich. Hier kann sich das Auge ausruhen:
Weiter vorne am Zaun zum Nachbarn blühen die ersten Sonnenhüte in Weiß, Lila und Rot.
Weiß mit orangefarbener Mitte (und Schwebfliege)
*
Der teils über die Terrasse gewachsene weiße Lavendel ist ein Tummelplatz für Bienen und Hummeln
Und auch die Rosen bringen ein weiteres Mal Blüten hervor:
Die Blüten sind an den Rändern etwas angematscht von Regen einerseits und Trockenheit andererseits,
aber wenn sie aufgehen, sehn sie trotzdem schön aus.
*
Im Vorgarten herrscht chaotische Wildnis – Alles wächst ineinander, übereinander, durcheinander:
Ein viel zu üppiger Farn und Purpurglöckchen, dahinter eine Hosta und ein Tränendes Herz,
das ich eigentlich bodennah zurück geschnitten hatte.

Schnee-Felberich (Lysimachia clethroides) – hat sich wie fast alle Lysimachiarten viel zu schnell und zu kräftig ausgebreitet.
Auch das als Bodendecker wachsende goldgelbe Pfennigkraut (Lysimachia nummularia aurea), das so
völlig anders daher kommt, fühlt sich in unserem Vorgarten pudelwohl.
Dieser Felberich ist aber gut zu kontrollieren. Was zuviel ist, wird einfach rausgerissen oder abgeschnitten.
*
Auch das Geißblatt steht in voller Blüte . . .
. . . und die Hosta weiß gar nicht mehr, wohin mit ihrer Kraft.
Unser Vorgarten ist der reinste Dschungel.
* * *
Vorhin habe ich am Teich eines der letzten Gräser rausgegraben, das noch vom Gärtner stammte und nicht mehr schön aussah. Fast die gesamte ursprüngliche Randbepflanzung habe ich ja inzwischen schon erneuert. Mir fiel dabei sofort auf, dass sich auch hier in den Wurzeln wieder ein Ameisenbau befand. Wir haben davon viele im Garten und ich frage mich, ob die eventuell die Gräser und Stauden schädigen. Ich habe fast so den Eindruck.
Nachtrag: Mann, mann, mann (oder auch frau, frau, frau) – wenn man im Internet wirklich mal eine Antwort auf eine Frage haben will wie: Schädigen Ameisen Pflanzen? – dann kann man wirklich fast verzweifeln. Selbst wenn diese Frage irgendwo in einem Forum bereits gestellt wurde, gibt es darauf keine Antwort, sondern meistens Gegenfragen oder Anmerkungen wie: ich finde die einfach eklig, Ameisen machen Pipi, Ameisen locken Blattläuse an, deshalb müssen sie weg . . . und Ähnliches mehr. Ich weiß schon, warum ich kein Fan von Foren bin! Also ich denke mal, ich werde unsere Ameisen im Garten in Ruhe lassen und geh mal davon aus, dass sie nicht dafür zuständig waren, dass sich das Gras an Ort und Stelle nicht wohlgefühlt hat.





